Wie lange dauert es, bis ein Medikament wirkt?
Das Wichtigste in Kürze
- Die Darreichungsform eines Medikaments hat einen grossen Einfluss darauf, wie rasch es wirkt. ➜
- Je rascher ein Medikament in den Blutkreislauf gelangt, desto schneller kann es wirken. ➜
- Ein Medikament kann nur die gewünschte Wirkung erzeugen, wenn Sie es regelmässig und genau nach Vorschrift einnehmen oder anwenden. ➜
- Mit Ihrer Körperhaltung während und nach dem Einnehmen eines Medikaments können Sie beeinflussen, wie lange es dauert, bis ein Medikament wirkt. ➜
- Bestimmte individuelle Faktoren, zusätzliche Krankheiten oder andere Medikamente haben einen Einfluss auf die Wirkung. ➜
Nicht jedes Medikament wirkt gleich schnell. Es kann wenige Minuten, einige Stunden, manchmal sogar Tage oder Wochen dauern, bis die vollständige Wirkung eintritt. Wie rasch ein Medikament wirkt, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Einige davon können Sie sogar beeinflussen.
Damit ein Medikament wirken kann, muss es zuerst jenen Ort im Körper erreichen, an dem es wirken soll. Deshalb beginnen Medikamente meist nicht sofort nach der Einnahme ihre Wirkung zu entfalten. In der Medizin heisst der Zeitraum von der Einnahme bis zum Wirkeintritt Latenzzeit.
Wie lange es dauert, bis ein Medikament zu wirken beginnt, hängt von verschiedenen Faktoren ab:
Darreichungsform
Medikamente gibt es in verschiedenen Darreichungsformen. Je nach Diagnose, Situation und Ort im Körper, an dem ein Medikament wirken soll, eignet sich eine andere Form. Bei einem Migräne-Anfall mit Übelkeit und Erbrechen zum Beispiel könnte eine eingenommene Tablette wieder erbrochen werden, bevor der Körper den Wirkstoff aufgenommen hat. Deshalb ist hierfür eine Schmelztablette besser geeignet, weil sich diese bereits in der Mundhöhle auflöst und der Wirkstoff dadurch sehr rasch vom Körper aufgenommen werden kann. Bei Säuglingen und Kleinkindern wiederum eignen sich Zäpfchen oder Säfte am besten, weil sie noch keine Tabletten schlucken können. Ältere Kinder oder Personen, die Mühe haben, Tabletten hinunterzuschlucken, kommen oft besser mit Brausetabletten zurecht.
Die Darreichungsform eines Medikaments beeinflusst unter anderem auch, wie lange es dauert, bis ein Medikament zu wirken beginnt. Ein schmerzstillendes Medikament wirkt beispielsweise in Form einer nicht überzogenen Tablette in der Regel nach 15 Minuten, als Filmtablette eingenommen je nach Filmüberzug nach 30 bis 60 Minuten. Nehmen Sie denselben Wirkstoff in Form einer Schmelztablette ein, beginnt diese bereits nach maximal drei Minuten zu wirken. Manchmal ist es hingegen sinnvoll, dass die Wirkung eines Medikaments verzögert eintritt, dafür länger aufrecht erhalten bleibt. Erreicht wird dies mit sogenannten Retard-Tabletten.
Was schnell wirkt
Je schneller ein Medikament in den Blutkreislauf gelangt, desto rascher kann es wirken. Bei medizinischen Notfällen werden Medikamente deshalb häufig mittels Infusion oder Injektion verabreicht.
Ebenfalls schnell wirken Medikamente, die ihren Wirkungsort direkt erreichen. Das sind beispielsweise Medikamente bei Atemwegserkrankungen oder Asthma-Anfällen, die mit Inhalatoren oder bronchialerweiternden Sprays direkt in Lunge oder Bronchien gelangen. Auch viele schmerzlindernde, antibiotische, abschwellende oder kortisonhaltige Salben und Cremes wirken rasch, da sie direkt an der betroffenen Stelle aufgetragen werden.
Was länger braucht
Viele Medikamente werden oral eingenommen. Nach dem Schlucken kommen sie über den Magen in den Dünndarm, wo die Wirkstoffe vom Körper aufgenommen werden. Medikamente in fester Form wie etwa Tabletten oder Kapseln müssen sich erst auflösen, bevor die Wirkstoffe vom Körper aufgenommen werden können. Medikamente in flüssiger Form hingegen wie beispielsweise Tropfen oder Sirup können zügiger wirken, weil sie bereits gelöst sind.
Was gewollt verzögert wirkt
Bei Retard-Tabletten werden die Wirkstoffe kontinuierlich über eine längere Zeitspanne freigegeben. Zeitpunkt, Geschwindigkeit und Ort der Wirkstoff-Freisetzung werden bei jedem Präparat exakt festgelegt. Wird beispielsweise ein Schmerzmedikament in Form einer Retard-Tablette eingenommen, tritt dessen schmerzlindernde Wirkung nicht so schnell ein, ist dafür aber länger spürbar als bei demselben Medikament in Tablettenform.
Korrekte Einnahme
Damit eine medikamentöse Therapie erfolgreich sein kann, müssen die verordneten Medikamente regelmässig und korrekt eingenommen oder angewendet werden. Denn ob Sie eine Tablette beispielsweise auf nüchternen Magen, vor, mit oder nach einer Mahlzeit schlucken, beeinflusst die Aufnahme in den Körper. Auch die verordnete Tageszeit und Einnahme-Frequenz – etwa zweimal täglich morgens und abends oder alle acht Stunden – ist wichtig, damit ein Medikament in der beabsichtigten Weise wirken kann.
Befolgen Sie auch die ärztlich festgelegte Einnahme-Dauer und hören Sie zum Beispiel nicht frühzeitig auf, ein Medikament einzunehmen, weil es Ihnen bereits besser geht. Nehmen Sie auch nicht einfach ein Medikament doppelt, weil Sie die letzte Einnahme vergessen haben. Erkundigen Sie sich in einem solchen Fall bei Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, was Sie tun sollen.
«Sind Sie unsicher, ob Sie Ihr Medikament richtig einnehmen? Fragen Sie in der Apotheke oder Arztpraxis nach.»
Körperposition beeinflusst den Wirkeintritt
Wie schnell ein Medikament wirkt, hängt nicht nur von Wirkstoff, Dosis oder Einnahmezeit ab – auch Ihre Körperposition nach der Einnahme kann entscheidend sein. Schwerkraft und Anatomie beeinflussen massgeblich, wie rasch eine Tablette den Magen verlässt und in den Dünndarm gelangt, wo die eigentliche Aufnahme in den Blutkreislauf erfolgt.
Dieser Effekt gilt vor allem für Tabletten und Kapseln, die sich im Magen auflösen und deren Wirkstoffe im Dünndarm resorbiert werden – zum Beispiel vieles Schmerz-, Beruhigungs- oder Schlafmittel sowie Blutdruck- oder Herz-Kreislauf-Medikamente.
Nicht bei allen Arzneiformen ist dieser Effekt jedoch gewünscht. Einige Medikamente sind so konzipiert, dass sie ihren Wirkstoff langsam und über längere Zeit freisetzen. Hier kann eine beschleunigte Passage den Effekt verändern.
Auch bei Reflux oder Schluckbeschwerden sollte auf das Liegen nach der Einnahme verzichtet werden, da eine horizontale Position den Rückfluss von Magensäure begünstigen oder das Schlucken erschweren kann.
Dieses Wissen ist besonders im Alltag nützlich: Bei starken Schmerzen, akuter innerer Unruhe oder einem plötzlichen Blutdruckanstieg kann es entscheidend sein, dass ein Medikament so schnell wie möglich wirkt – und genau hier lässt sich mit der richtigen Körperhaltung gezielt nachhelfen.
Liegen auf der linken Seite – Wirkung verzögern
Ganz anders wirkt sich die linke Seitenlage aus. In dieser Position liegt der Ausgang des Magens höher, sodass der Mageninhalt langsamer weitertransportiert wird. Die Tablette verbleibt deutlich länger im Magen, bevor sie in den Dünndarm gelangt.
Dieser verzögerte Transport führt dazu, dass die Wirkung erst nach über 100 Minuten eintritt – also deutlich später als bei allen anderen Körperhaltungen. Diese Position kann sinnvoll sein, wenn eine langsamer einsetzende Wirkung erwünscht ist oder wenn Sie empfindlich auf eine schnelle Aufnahme reagieren.
Sitzen oder stehen – der „Standardweg“
Wenn Sie eine Tablette im Sitzen oder Stehen mit einem Glas Wasser einnehmen, folgt sie dem normalen Verdauungsweg. Sie gelangt zunächst durch die Speiseröhre in den Magen, wo sie sich auflöst, bevor der Wirkstoff über den Dünndarm aufgenommen wird. Dieser Ablauf ist gleichmässig und berechenbar – im Schnitt tritt die Wirkung nach etwa 25 Minuten ein. Diese Position ist ideal, wenn es auf eine besonders schnelle Wirkung nicht ankommt oder das Medikament ohnehin regelmässig eingenommen wird.
Liegen auf der rechten Seite – Wirkung beschleunigen
Interessant wird es, wenn Sie sich direkt nach der Einnahme hinlegen. Besonders wirkungsvoll ist dabei die rechte Seitenlage. In dieser Position liegt der Magenausgang anatomisch gesehen „unten“, was den Abfluss des Mageninhalts begünstigt. Durch die natürliche Form von Magen und Darm kann der Wirkstoff hier deutlich schneller weitertransportiert werden. Die Tablette erreicht schneller den Dünndarm – wo die Aufnahme in den Blutkreislauf erfolgt – viel früher.
Das Ergebnis: Die Wirkung setzt oft schon nach rund 10 Minuten ein, also mehr als doppelt so schnell wie im Sitzen oder Stehen. Diese Position kann besonders hilfreich sein, wenn Sie akut handeln müssen oder bei Beschwerden wie Kopfschmerzen, innerer Unruhe oder plötzlichen Blutdruckanstiegen schnell eine Wirkung spüren möchten.
Fazit: Kleine Veränderung, grosse Wirkung
Die richtige Körperhaltung nach der Einnahme kann den Unterschied zwischen einer schnellen und einer deutlich verzögerten Wirkung ausmachen. Besonders bei akuten Beschwerden lohnt es sich, diesen einfachen Trick zu nutzen: rechte Seitenlage beschleunigt. So können Sie mit einer kleinen Anpassung im Alltag dazu beitragen, dass Medikamente genau dann wirken, wenn Sie sie am dringendsten brauchen.
Wichtig zu wissen: Die genannten Zeitspannen – etwa 10 Minuten bei der rechten Seitenlage, rund 25 Minuten im Sitzen oder über 100 Minuten beim Liegen auf der linken Seite – sind Richtwerte und keine festen Regeln. Sie können je nach Form (z. B. Filmtablette oder lösliche Tablette), Magenfüllung (leer oder nach einer Mahlzeit) sowie individueller Verdauung und Beweglichkeit des Magen-Darm-Trakts deutlich variieren.
Gewusst?
Ausreichend Flüssigkeit hilft, die Latenzzeit zu verkürzen. Denken Sie deshalb daran, ein Glas Wasser zu trinken, wenn Sie Medikamente einnehmen. Wie viel Flüssigkeit für ein Medikament ideal ist, steht jeweils in dessen Beipackzettel.
Am besten für die Medikamenten-Einnahme eignen sich Leitungswasser oder stilles Wasser. Mineralwasser mit Kohlensäure ist hingegen nicht ideal – beim Einnehmen von Schilddrüsen-Hormonen zum Beispiel bindet die Kohlensäure den Wirkstoff, weshalb der Körper weniger davon aufnehmen kann.
Persönliche Faktoren
Körper reagieren unterschiedlich auf denselben Wirkstoff, da zahlreiche individuelle Merkmale die Wirkung eines Medikaments beeinflussen können. Zu den wichtigsten Faktoren gehören Alter, Geschlecht, Körpergewicht sowie die Funktion von Leber und Nieren, die für den Abbau und die Ausscheidung vieler Wirkstoffe verantwortlich sind. Eine eingeschränkte Organfunktion kann dazu führen, dass Medikamente länger im Körper verbleiben oder stärker wirken.
Auch Begleiterkrankungen wie Herz-Kreislauf-, Magen-Darm- oder Stoffwechselerkrankungen können die Aufnahme und Verteilung von Wirkstoffen verändern. Darüber hinaus spielen Lebensstilfaktoren wie Ernährung, Alkoholkonsum oder Rauchen eine Rolle, da sie bestimmte Stoffwechselprozesse beeinflussen können.
Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten, Nahrungsergänzungsmitteln oder pflanzlichen Präparaten können ebenfalls die Wirkung von Medikamenten beeinflussen.
Informieren Sie daher Ihre Ärztin oder Ihren Arzt immer über alle Medikamente und Präparate, die Sie einnehmen – so kann die Behandlung optimal auf Ihre persönlichen Voraussetzungen abgestimmt werden.
Experten-Tipp
Haben Sie vergessen, Ihr Medikament einzunehmen oder aus Versehen zu viel davon eingenommen? Im Beipackzettel eines Medikaments steht jeweils, was in einem solchen Fall zu tun ist. Wenn Sie unsicher sind, fragen Sie in der Apotheke oder Arztpraxis nach.
Es ist gar nicht so einfach, immer zur richtigen Zeit an die Einnahme von Medikamenten zu denken. Unsere kostenlosen Einnahme-Erinnerungen helfen Ihnen, Ihre Medikamente rechtzeitig einzunehmen.
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