5 Tipps: Das können Arztpraxen gegen den Fachkräftemangel tun
1 000 Hausarztpraxen ohne Nachfolge. Über 200 offene MPA-Stellen allein im Kanton Zürich. Fast die Hälfte der Hausärztinnen und Hausärzte sind 55 oder älter. Die Zahlen sind alarmierend – und die Lage wird sich in den nächsten Jahren weiter verschärfen. Was können Arztpraxen heute konkret dagegen tun?
Mehr Ärztinnen und Ärzte – und trotzdem zu wenige: 42 602 Ärztinnen und Ärzte in der Schweiz, 3,7 Prozent mehr als im Vorjahr. Klingt gut, ist es aber nicht. Die Grundversorgerdichte liegt bei 0,8 Vollzeitäquivalenten pro 1 000 Einwohnerinnen und Einwohner, empfohlen wäre 1,0. Auf dem Land sind es sogar nur 0,4. Fast die Hälfte der Hausärztinnen und Hausärzte ist bereits 55 oder älter; und die Pensionierungswelle kommt erst noch. Für jede Person, die in Rente geht, braucht es zwei bis drei Nachfolgerinnen oder Nachfolger, weil jüngere Generationen häufig Teilzeit arbeiten.
Kein Zufall, sondern Struktur: Fachkräfte in Gesundheitsberufen belegen im Fachkräftemangel Index Schweiz 2025 seit vier Jahren ununterbrochen Rang 1 – obwohl der allgemeine Fachkräftemangel um 22 Prozent gesunken ist. Zwischen 2018 und 2024 schlossen rund 1 000 Hausarztpraxen ohne Nachfolge. Jede dieser Lücken bleibt in unterversorgten Regionen dauerhaft offen.
Ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren
Auf der ärztlichen Seite verschärfen drei Faktoren die Lage gleichzeitig: die demografische Alterung beider Seiten – Bevölkerung und Ärzteschaft –, zu wenig Nachwuchs aus dem Inland sowie eine wachsende Bürokratielast. Ärztinnen und Ärzte in Praxen verbringen heute täglich über zwei Stunden mit Administration – vor zehn Jahren war es noch eine halbe Stunde weniger. Hinzu kommt die schwierige Praxisnachfolge: Die hohen finanziellen und organisatorischen Hürden schrecken viele junge Medizinerinnen und Mediziner ab.
Auch beim medizinischen Praxispersonal ist die Situation angespannt: Allein im Kanton Zürich sind aktuell über 250 MPA-Stellen offen. Die Gründe und was dagegen getan werden kann, haben wir in unseren Artikeln
«MPA-Mangel: Woran liegt's?» und «Fachkräftemangel – Ursachen und Lösungsansätze» ausführlich beleuchtet.
Was sich tut und was noch kommen muss
Auf politischer Ebene laufen Massnahmen an: Der Bund hat das Ziel von 1 300 Medizinabschlüssen pro Jahr gesetzt und entsprechende Mittel bereitgestellt. Das BAG erhebt systematisch die Bürokratielast in Hausarztpraxen, erste Ergebnisse werden Ende 2026 erwartet. Neue Versorgungsmodelle wie Gruppenpraxen, interprofessionelle Teams und Jobsharing machen den Praxisalltag attraktiver und erleichtern die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Kurzfristig behebt all das den bestehenden Engpass nicht.
5 Tipps: Das können Praxen heute selbst tun
Grosse Strukturreformen brauchen Zeit. Doch beim eigenen Praxisalltag, der Attraktivität als Arbeitgeber und der Gewinnung von Nachwuchs können Praxen heute ansetzen:
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Manuelle, repetitive Abläufe sind der grösste Zeitfresser in der Praxis. Digitalisieren Sie deshalb einzelne Prozessschritte und nutzen Sie dabei etablierte digitale Tools. Digitale Plattformen wie das Zur Rose Studio bündeln administrative Prozesse an einem Ort, von der Medikamentenverwaltung bis zur digitalen Lieferscheinablage. Ergänzend dazu automatisiert der Medikamentenautomat das Richten und Ausgeben von Medikamenten zuverlässig und sicher. So gewinnt das Team Zeit für das, was wirklich zählt: die Patientinnen und Patienten.
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Eine gut organisierte, modern aufgestellte Praxis ist auch ein attraktiverer Arbeitsplatz. Gerade jüngere Fachkräfte legen Wert auf zeitgemässe Arbeitsumgebungen, moderne Infrastruktur, flexible Arbeitszeiten, Mitspracherecht und Wertschätzung im Alltag. Wer diese «weichen Faktoren» ernst nimmt, hat im Wettbewerb um qualifiziertes Personal einen klaren Vorteil.
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Praxen, die Assistenzärztinnen und Assistenzärzte ausbilden, leisten nicht nur einen Beitrag zur Grundversorgung von morgen – sie gewinnen auch frühzeitig Kontakt zu qualifiziertem Nachwuchs, der später vielleicht die Praxis übernimmt oder als Festanstellung bleibt. Die Anerkennung als Ausbildungspraxis ist ein konkreter Schritt, dem Fachkräftemangel aktiv entgegenzuwirken.
Ähnliches gilt für MPAs: Lehrstellen sind gefragt, doch viele junge Fachkräfte verlassen den Beruf früh wieder, weil sie ihn als Sackgasse empfinden. Praxen, die Entwicklungsmöglichkeiten aktiv kommunizieren und fördern, binden ihre Mitarbeitenden langfristig besser. Dazu zählen zum Beispiel Fachverantwortungen (Labor, Röntgen, Lernendenbetreuung) oder die Ausbildung zur MPK.
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Nicht jede Entlastung braucht ein neues Tool: Oft lassen sich durch eine gezielte Analyse der internen Abläufe beträchtliche Effizienzgewinne erzielen. Welche Aufgaben liegen doppelt vor? Wo entstehen unnötige Wartezeiten? Eine strukturierte Prozessoptimierung kann den administrativen Aufwand spürbar reduzieren, ohne grosse Investitionen.
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Qualifizierte MPAs und Nachfolgeärztinnen und -ärzte bewerben sich selten von selbst. Praxen, die aktiv auf Stellenportalen und in sozialen Netzwerken präsent sind, ihre Praxiskultur sichtbar machen und attraktive Benefits wie flexible Arbeitszeiten, faire Bezahlung oder Fortbildungsmöglichkeiten bieten, sind besser aufgestellt.
Fazit: Handeln, bevor die Lücke entsteht
Der Fachkräftemangel in Arztpraxen ist real und wird sich in den nächsten Jahren weiter verschärfen. Die Politik ist gefordert, aber darauf allein zu warten, wäre fatal. Praxen, die heute in effiziente Prozesse und eine moderne Infrastruktur investieren, schaffen sich Spielraum: mehr Zeit für Patientinnen und Patienten, ein attraktiveres Arbeitsumfeld und eine zukunftsfähige Grundlage. Denn jede Stunde, die nicht mit Bürokratie verbracht wird, ist eine Stunde mehr für das, was Hausarztmedizin ausmacht: Beziehung, Kontinuität und Versorgungsqualität.
Quellen:
- FMH-Ärztestatistik 2024, Schweizerischer Berufsverband der Ärztinnen und Ärzte (fmh.ch)
- Workforce-Studie 2025 zur haus- und kinderärztlichen Versorgung, Hausärzte Schweiz (hausaerzteschweiz.ch)
- Fachkräftemangel Index Schweiz 2025, Adecco Gruppe Schweiz / Stellenmarkt-Monitor Universität Zürich (adeccogroup.com)
- Faktenblatt «Medizinische Grundversorgung und Fachkräftemangel», BAG, November 2024 (bag.admin.ch)
- Xavier Schärer: Masterarbeit zu Praxisschliessungen, Universität Zürich / ZHAW, Januar 2026 (blog.zhaw.ch)
- SGAIM-Kampagne «Papiertiger», 2026 (sgaim.ch)
